Prädikat: absolut empfehlenswert !

 
 Das neue Tokina 2.8/100 mm Macro ähnelt einem direkten Konkurenten, dem Tamron 2.8/90 mm sehr: Es ist klein und handlich, wirkt sehr solide, die Frontlinse ist tief eingezogen, so daß die mitgelieferte Sonnenblende praktisch überflüssig ist. Wie beim Tamron fährt der Tubus sehr lang aus, wobei trotz längerer Brennweite die Tatsache verblüffend ist, daß es auch dann kürzer bleibt als das Tamron. Wie beim Tamron erfogt die Umschaltung zwischen manuell und AF durch Vor- und Zurückschieben des Fokusrings, in den arbeitenden AF kann man manuell nicht eingreifen. Der AF ist für ein 1:1-Macro recht fix, etwas schneller als beim Tamron, an der 1Ds MKII sah ich keine Notwendigkeit, die optionale Bregrenzung des AF-Bereichs (Fern-und Nahbereich, Drehschalter wie beim Tamron) zu benutzen. Der AF zeigte sich exakt treffsicher, ist für einen Stangen-AF leise. Beide sind bis Blende 32 abblendbar.
 

Von der Bauform her erscheint es interessant, ein weiteres Objektiv in den Vergleich einzubeziehen, das Sigma 2.8/150mm HSM Apo-Macro. Im Übersichtsbild zeigt sich, daß dieses Objektiv (reine Innenfokussionierung, es verändert die Länge beim Einstellen nicht), mit angeschraubter Kurzsonnenblende von Heliopan nur wenig länger ist als die beiden anderen Macros.

Im Vergleich der Optiken ist bemerkenswert, daß das Tokina eine Frontfassung mit einem Durchmesser von nur 55 mm Filtergewinde hat. Das ist insofern mißlich, weil dadurch zur Verwendung von Vorsatzlinsen, dem Ring- oder Twin-Blitz ein Adapterring 58mm => auf 55 mm notwendig wird.

 

 Gartenkreuzsspinne, 100%-Bild-Ausschnitt, f=11, 2.8/100 Tokina an 1DsMKII, 100 ASA, 1 Aufhellblitz seitlich, aus der Hand.
 Primär interessant ist die Performance einer Optik im absoluten Nahbereich. Als 1. Testobjekt diente eine Spuz-Z-Eisenbahnmodell, das "Krokodil" , das sich als 1:1-Vergrößerung ergebende Bild ist darunter abgebildet, zur Auswertung wurden die rot gerandeten Areale herauskopiert in eine Übersicht.
 
  Diese Prozedur wurde im Vergleich mit allen verfügbaren Objektiven im Vergleich durchgeführt, so mit Tokina 2.8/100, Tamron 2.8/90, Sigma 2.8/50 mm EX, Canon 2.8/65 MP-E65, Sigma 2.8/150 und Tamron 3.5/180 mm Macro. Die Ergebnisse sind als Übersichten dargestellt, es wurde manuell fokussioniert, AV-Modus, Kamera auf Stativ, Spiegelvorauslösung, Kabelauslöser, Blende von arbeitsrelevanter Blende 5.6 bis max. Blende variiert. Die Aufnahmen wurden in RAW gemacht, alle gleich in RAW-Shooter "entwickelt", lediglich etwas unterschiedliche Helligkeit angeglichen (die sich durch unterschiedliche Belichtungswinkel der Leuchtquelle ergaben, weil z.B. beim Sigma 50 mm der Abstand zwischen Frontlinse und Objekt extrem gering wird). Schärfung im RAW-Shooter auf 0, Detail auf 20. Oben Ausschnitt aus der Bildmitte, unten Ausschnitt mehr zum Rand. f=2.8 und f=4 hier nicht gemacht, weil einfach nicht sicher reproduzierbar exakt scharfstellbar bar (dieser Test wurde bei relativ schlechtem Licht einer Halogenlampe durchgeführt, so daß der Einstellfehler bei voller Öffnung größere Unterschiede produzierte als die jeweilige Optik).

 

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Es ergeben sich sehr geringe Unterschiede, die nicht praxis- relevant sind, die Unterschiede durch die Belichtungswinkel (bei den sehr kurzen Brennweiten mußte das Licht einfach mehr von der Seite kommen, weil sonst Beschattung durch die Optik erfolgte) sind größer als die Unterschiede der Optiken. Allenfalls kann man einen leichten Vorteil beim "Spezialisten", dem MP E65 erkennen. Ab f=16 ist erwartungsgemäß ein deutliches Nachlassen der Leistung durch Beugungsfehler zu sehen, so daß man auch hier versteht, warum Canon die Blendenreihe dieses Objektivs schon bei 16 enden läßt.

Die Abbildungsleistung aller Objektive ist sehr hoch, im Bereich der absoluten Spitzenklasse. Kontrast und Detailzeichnung sind perfekt.

 

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 Mehr zum Rand hin - bei etwa 1/2- 2/3 Bildhöhe schwächeln bei f=5.6 Sigma und MPE 65 noch ein wenig, ab f=8 sind diese auch überragend wie die anderen Optiken. Ein wenig besser ist allenfalls das Sigma 150, wenngleich auch hier der Lichteeinfall eine Rolle für die etwas besser erscheinende Plastizität des Bildes eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben mag.

Dieses Testobkjekt war etwas unglücklich gewählt, weil die Bildecken nicht verglichen wurden. Deshalb wurden mit anderem Testobjekt bei besseren Lichtverhältnissen weitere Vergleichsbilder gemacht von einem anderen Z-Modell, einem Rheingold-Wagen. Der Bild bei 1:1 Vergrößerung ist das ausgewertete Areal mit einem roten Rand markiert.

 
 

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 Bei f=2.8 werden nun doch Unterschiede objektivierbar. Das Sigma 150 ist schon bei 2.8 praktisch perfekt, das Tokina zieht bei f=4 nach, bei f=5.6 sind die Unterschiede nicht mehr relevant.

Bei f=8 und f=11 waren die Bilder der längeren Brennweiten sehr dunkel, mußten stärker aufgehellt werden, zudem sieht man, daß die beiden langen Optiken offenkundig einen etwas längeren, maximalen Auszug haben als die kürzeren Brennweiten, dadurch etwas stärker vergrößern. Dadurch ist ein gewisser Abfall bei den beiden längeren Brennweiten zu erklären. Der Schärfe-Unterschied bleibt aber gering.

Zusammenfassen kann man sagen, daß alle im Vergleich einbezogenen Optiken eine hervorragende Leistung bis in den äußeren Rand auch an der 1DsMKII zeigten !

Speziell das Tokina braucht sich in seiner Abbildungs- leistung im 1:1 Macro-Bereich hinter der Konkurrenz ganz gewiß nicht zu verstecken, es liegt in der obersten Leistungsklasse.

 

Obwohl solch ein Objektiv sicher für den Macro-Bereich optimiert sein dürfte, wird man es dank recht hoher Lichtstärke auch gern für andere Arbeitsbereiche einsetzen wollen. Deshalb nun einige Beispiel- bilder aus anderen Aufnahmesituationen.

 

1. Macros mit geringerer Vergrößerung - Leuchterblume bei f=13:

 

   

 1:1-Ausschnitt aus diesem Bild:

 

Eine Orchidee, eine Zygopetalum-Hybride, f=22

1:1-Ausschnitt - man beachte die Woll-Laus, die bei der starken Vergrößerung zu sehen ist.

 

Leistung bei Offenblende:

 1. bei Fernaufnahmen:

 1:1- Bildausschnitte aus obigen Bild. in der Bildmitte perfekte Abbildungsleistung. Am Bildrand minimale, chromatische Abberationsfehler. Trotz f=2.8 keine sichtbare Vignetierung !

 

 2. Das Bokeh (f=2.8, nur minimale Schärfentiefe!) erscheint schön weich in den Übergängen.

 

 3. Abbildungsleistung bei ca. Portrait-Entfernung:

 

1:1- Bild-Ausschnitte aus dem Bild darüber, auch bei f=2.8 . Links aus der Mitte, rechts aus der linken oberen Ecke. Allenfalls minimal geringere Schärfe. Gute Farbreproduktion, auffallend neutral. Keine Vignettiierung !

 

 

Tierportrait spät am Abend bei f=7.1, leichter Aufhellblitz von vorn, 1:1-Ausschitt aus dem Bild oben.

 

 Mein Fazit: das neue Tokina ist ein äußerst empfehlenswertes, sehr kompaktes aber solide gebautes Objektiv mit hervorragender Abbildungsleistung über den gesamten Bereich, frei von relevanter Vignettierung, schon bei Offenblende sehr gute Randschärfe. Es zeigt keine relevanten Schwächen, gehört optisch in die Gilde der absoluten Top-Performer. Vom Preis her ist es zudem ein Schnäppchen.