8 Makros im Vergleich

Tamron 2.8/90 SP AF - Sigma 2.8/105 EX AF - Canon 2.8/100 USM

Tamron 3.5/180 AF DI - Sigma 3.5/180 HSM AF - Canon 3.5/180L USM

Sigma 2.8/50 AF EX - Canon 2.8 MP-E65 Lupenobjektiv

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Aktuelle Updates

 Das neue Tokina 2.8/100 Macro

Das neue 2.8/90 DI Tamron

Das 2.8/150 Sigma HSM

Makros sollten dazu gebaut sein, auch im Maßstab um 1:1 bezogen auf KB-Format eine entsprechende optische Leistung zu bringen. Konstruktiv ist es aber schwierig eine hohe Leistung über den gesamten Einstellbereich von Unendlich bis in den absoluten Makrobereich sicherzustellen. Weil viele Untersuchungen dies nicht zeigen, wurde hier nun ein Test durchgeführt speziell bei diesem Maßstab. Neben 3 um 100 mm Brennweite liegenden Objektiven und 3 mit exakt 180 mm wurde das Sigma 50 mm einbezogen und zusätzlich ein Spezialist in diesem Bereich, das MP-E65 Lupenobjektiv.

Um den Unterschied zwischen einem guten Makro-Objektiv und einer "Notlösung mal zu verdeutlichen, hier zwei 100% Ausschnitte nebeneinander, links Tamron 90 Makro, rechts Tamron 28-75 @75 mit Zwischenring, beide bei f=8. Man sieht deutlich die Bildstörungen, vor Allem eine massive chromatische Aberation bei der "Notlösung". Weiteres Abblenden würde die Qualität verbessern, ganz erreichen kann man aber die Leistung eines echten Makros kaum. Sehr hochwertige Vorsatzlinsen, besonders, wenn sie speziell für die betreffende Optik korrigiert sind, können die Leistung deutlich verbessern. Was funktioniert, was nicht dürfte aber immer nur mit Probieren ermittelbar sein.

Übersicht Längen, Maße, Gewichte:

 Maße:

 Gewicht

Längen unendlich/nah
 Durchmesser  Filter

 effektiver Arbeitsabstand
 Canon 100

 600 g

 119 / 119

 79 mm

 58 mm

 14-8=6cm*
 Sigma 105

 450 g

 95 /147

 74 mm

 58 mm

 12 cm
 Tamron 90

 420 g

 91 / 152

 71 mm

 55 mm

 9,5 cm
 Canon 180

 1090 g

 186,6 / 186,6

 82,5 mm

 72 mm

 23,8-7,5=16,3 cm*
 Sigma 180

 945 g

 179,5 / 179,5

 80 mm

 72 mm

 22,8-9=13,8 cm*
 Tamron 180

 920 g

 165,7 / 165,7

 84,8 mm

 72 mm

24,5-9,5=15 cm*
 Canon MPE 65

 730 g

*98 / *227

 81 mm

 58 mm

 9,5 cm*
 Sigma 50

 320 g

 64 / 104

 71,4 mm

 58 mm

 3,9 cm*

 Erläuterungen:

* bei den effektiven Arbeitsabständen: wenn die Frontlinse relativ tief ins Objektiv eingebaut ist, erübrigt sich eigentlich eine spezeille Sonnenblende. Ist der Bautyp anders mit abschließender Fronlinse, ist eine Sonnenblende ein Muß. Da diese Sonnenblenden teilweise sehr lang sind, verändern sie den effektiven Arbeitsabstand deutlich, weshalb in dieser Spalte bei solchen Objektiven zunächst der effektive Abstand angegeben wird, davon abzuziehen ist die Länge der notwendigen Sonnenblende (-), es verbleibt der effektive Abstand. Da diese Blenden speziell bei den 180ern wirklich riesige Teile sind, sollte man sich ggf. überlegen, hier eine andere Blende zu montieren.

* bei Canon MPE 65: das Objektiv kann nur auf einen Bereich von 1:1 bis 5:1 bezogewn auf KB eingestellt werden, an einer 1,6-Crop-Kamera ergibt sich ein Maßstab von 1,6-8x bezogen auf KB. Der Arbeitsabstand bezieht sich auf 1:1 bzw 1,6:1.

* beim Sigma 50: setzt man die knapp 3 cm hohe Sonnenblende auf, wird das Objekt bei 1:1 sehr stark abgeschattet, was die Nutzbarkeit dieser Einstellung doch sehr einschränkt.

Die Mechanik:

 

 Die Sigmas:

Das 180er ist wirklich robust gebaut, alle Einstellring spielfrei, es hat den solidesten Anschluß der Sonnnenblende aller 3 180er Makros. Der AF ist lahm trotz Ultraschallantrieb.

Die beiden anderen Brennweiten fallen mechanisch gegenüber allen anderen Objektiven im Test ab, die weit rausfahrenden Tuben haben ganz schön Spiel, beim 50er noch mehr als beim 100er. Der AF-Geschwindigkeit von 50er und 100er ist die langsamste im Test, zudem häufig noch pumpend nur unsicher treffend mit Backfokus-Tendenz. Man hat den Eindruck, daß die "verfügbaren Schritte" zu groß sind.

Die Frontlinsen vom 50er und noch mehr vom 100er liegen recht tief in der Fassung, so daß man auf die Schraubblenden meist verzichten kann.

 

 Die Canons:

Das 180er wie auch das 100er sind Ultraschallobjektive, das 100er wirklich sehr fix, mit weitem Abstand das schnellste Objektiv im Test, allerdings nicht immer ganz treffsicher, was sich auch in den Tests teilweise niederschlug. Trotz USM ist das 180er lahm, sinnvoll ist es manuell in die Nähe der Schärfe zu stellen, dann wird die exakte Schärfe rasch erreicht. Läßt man es bei Unendlich starten, vergehen einige Sekunden, bis überhaupt etwas passiert. Das in der Mitte abgebildete MPE65 ist ein Lupenobjektiv ohne AF, fährt ungeheuer weit heraus. Alle Canons sind grundsolide gebaut (unerreicht von den Anderen, dafür auch deutlich schwerer), alle Einstellringe wunderbar, besonders schön die Möglichkeit, in den laufenden AF manuell eingreifen zu können. Anschlußringe für die Makro-Blitze sind bei 100er und MPE65 direkt integriert, das 180er braucht einen Adapterring wie alle Fremdobjektive. Schlankweg Billig sind die Canon-Plastikblenden für 180er und 100er.

 

Die Tamrons:

Beide haben eine Kunststoff-Fassung, beim 90er sofort zu sehen, beim 180er hat man den Eindruck, eine Metallfassung in der Hand zu haben. Trotz Kunststoff-Fassung absolut spielfreier Lauf, auch der lang herausfahrende Tubus des 90er hat keinerlei Spiel. Beide Objektive sind die Leichtesten ihrer Klasse. Der mechanische AF ist deutlich zu hören, mäßig in der Geschwindigkeit, aber etwas schneller als die mechanischen Sigma-Antriebe. Herausragend ist die AF-Treffsicherheit, eindeutig besser als bei den Canon-Optiken, was verblüffte. Unschön ist die notwendige AF/MF-Umschaltung am manuellen Einstellring (vor/zurück), was soviel Kraft erfordert, daß bei Makro-Arbeit häufig die Einstellung am Stativ verschoben werden dürfte. Das 180er Tamron hat ein zusätzliches, seltsames Feature. Es besitzt ganz vorn eine Drehmechanik, die die Filterfassung rotieren läßt. Man kann dadurch z.B. einen aufgestzten Polfilter drehen, obwohl die Sonnenblende aufgesetzt ist. Das hat bei der Verwendung des 24EX-Twin-Blitzes den Haken, daß sich die beiden Blitze spontan je nach Schwerkrafteinwirkung irgendwo hin drehen. Schön wäre eine Verriegelungsmöglichkeit dieser Mechanik. Beim 90er kann man auf die Blende sicher verzichten wegen der tief innen liegenden Frontlinse, beim 180er nicht - diese ist robust, innen mit Rillen versehen (!), gut aufsetzbar.

Fazit: in der Robustheit sind die Canon-Objektive unerreicht, wenngleich auch Sigma 180 und Tamron 180 sehr solide sind. Popelig sind die Plastikblenden, die nur schlecht aufsetzbar sind, so daß das Bajonett am Objektiv wie auch das der Blende bald Gebrauchsspuren zeigen. Die Blenden aller anderen Objektive sind eindeutig besser. Die beiden anderen Sigmas wirken "klapprig", der Tubus hat eindeutig Spiel. Das Tamron 90 wirkt etwas billig durch das Plastik-Design, die Mechanik ist aber absolut spielfrei.

Optische Leistung

 Allgemeine Anmerkungen zu den Tests

Sie wurden mit der 1Ds durchgeführt an Reprogestell, Chipebene und Objektebene exakt planparallel ausgerichtet mit Wasserwaage, Belichtung in AV-Modus, Auslösung mit Kabel, SPV eingeschaltet, Files in RAW gespeichert, die Files mit C1Pro entpackt (Farbabgleich mit Zauberstab, 8-Bit-Jpeg, einheitliches leichtes Schärfen), eingestellt wurde maximale Vergrößerung, Kontrolle mittels 2x-Lupensucher. Alle Objektive wurden an einem kleinen Eisenbahnmodell (Märklin-Z) geprüft, weil sich hier die Planparallelität des Objektes sicher kontrollieren ließ. Das ursprüngliche Vorhaben, eine detailreiche Farnwedelunterseite als Testobjekt zu nehmen, machte Schwierigkeiten, weil diese sich beim Trocken immer einzurollen begann und so immer neue Wedel hätten genommen werden müssen. So wurden an diesem Objekt nur die 100er geprüft.

Das planparallel angeordnete Objekt wurde mit 2 Lampen (von beiden Seiten) belichtet. Aus den Bildern wurden im Photoshop jeweils die gleiche Ecke und das Zentrum ausgeschnitten und zusammengestellt (siehe rechts). Klick auf die Übersicht lädt das Vollbild mit 100% -Ausschnitten.

1. Testobjekt Mini-Eisenbahnmodell. Gelb umrahmt sind die Ausschnitte, wobei der zentrumsnahe Ausschnitt nochmals zerschnitten wurde entlang der blauen Markierung, die beiden Teile dann zusammengefügt.

Ein Klick auf die jeweilige Zusammenstellung lädt die Datei in voller Größe !!!!

2. Testobjekt: Farnwedel. Die beurteilten Ausschnitte sind blau umrahmt.

Um den Farnwedel plan zu halten, wurde ein normaler Kleinbild-Diarahmen oben aufgelegt, der den sichtbaren weißen Rahmen bedingt. Dadurch ergibt sich bei der Belichtung eine Abschattung des Objekts am Rand.

An diesem Farnwedel wurden nur die 100er Objektive geprüft.

Ergebnisse:

1. Test: alle Objektive zentrumsnah.

2. Test: alle Objektive am Rand.

Kommentar/Auswertung:

Überragend zeigt sich der Spezialist, das MPE65, Topleistung sowohl am Rand als auch in der Mitte. Hervorragend auch die Leistung des 50er Sigma, wobei dieses im Kontrastverhalten sicher von der zwangsläufig (aufgrund des minimalen Objektabstandes) geänderten Beleuchtung profitiert, was sich an der Farbgebung ja auch deutlich bemerkbar macht. Optisch ist es ein hervorragendes Objektiv über das gesamte Bildfeld.

In der Riege der Objektive um 100 mm topt das Tamron 90 eindeutig alle Anderen, bestehchend die Sicherheit des AF. Allerdings ist das Canon in diesem Vergleich besser als im Farnwedeltest unten, es kommt aber mit dem Tamron nicht mit. Ein AF-Ausrutscher bei f=11 fällt zudem auf. Klarer Verlierer das Sigma 100, am Rand erst ab f=8, im Zentrum ab f=5.6 brauchbar. Ich habe versucht mit manueller Fokussionierung bessere Ergebnisse zu erzielen, was nicht gelang. Bei Blende 16 lassen alle 100er deutlich in der Leistung nach infolge Beugungsunschärfe.

Bei den 180ern ist wiederum das Tamron der "Überflieger", makellos vom Rand bis zur Mitte bei allen Blenden. Bei Blende 4 zeigt das Canon am Rand noch eine nachweisbare Schwäche, im Zentrum ist es auch bei f=4 einwandfrei. Das Sigma ist im Zentrum bei 5.6 gut, ab 8 hervorragend, am Rand erst ab 11 top. Blende 22 ist bei den 180ern noch recht gut brauchbar.

Wenn möglich, werde ich die 180er auch nochmals mit der Canon-D-Vorsatzlinse testen. Hierdurch dürfte die Leistung steigen.

 

3. Test:

Objektive bei allen Blenden in der Mitte und in der Ecke.

Bei Offenblende im Zentrum hervorragende Schärfe bei Canon und Tamron, das Sigma fällt ab, vermutlich teilweise bedingt durch nicht ganz sicher treffenden AF. Canon und Tamron erreichen die höchste Schärfe bei 5.6 - 8, das Sigma liegt bei 8 gleichauf, ab 16 beginnt sie bei allen zu sinken, 32 erscheint kaum brauchbar.

Am Bildrand verblüfft das Tamron bei Offenblende, ab 4 ist die Leistung hier tadellos. Grottenschlecht hier das Canon, erst bei 11 bessere, wenngleich immer noch schlechteste Leistung in diesem Vergleich, das Sigma schlägt sich ab 5.6 wacker, > 22 sind alle unbrauchbar. Es ist denkbar, daß hier beim Canon der AF ein beteiligtes Übel war oder aber auch eine nicht ganz sichere Planlage der Testvorlage, die sich während der Bearbeitung durch Austrocknung veränderte. Am anderen Testobjekt schnitt das Canon jedenfalls relativ besser ab.

 Eine dramatische Verbesserung der optischen Leistung läßt sich erreichen durch Benutzung eines hochwertigen Vorsatzobjektives (Leica-Apochromat für das 2.8/100 Apo-Macro). Eine solche Vorsatzoptik greift in das optische Geschehen selber ein, ist sie sehr gut, verbessert sie die Leistung im Nahbereich.

Deshalb wurden weitere Tests mit einem solchen Apochromaten durchgeführt.

 

 4. Test:

Wieder wurde der Ausschnitt von 24x36 mm eingestellt, am Objektiv ist nur eine mäßig nahe Einstellung durch den Vorsatz nötig. Das Objektiv kann so in erheblich günstigerem Bereich arbeiten. Gemessen wurde nur bei dem eigentlich im Macrobereich relevante Blenden ab 6.3.

Am wenigsten Verbesserung erreicht man bei der ohnehin sehr guten Leistung des Tamron, die beiden anderen Objektive profitieren erheblich mehr, ab Blende 8 sind alle mehr oder minder gleichauf. Die Leistungssteigerung betrifft weit weniger das ohnehin gute Zentrum als vielmehr den Bildrand, an dem nun auch wirklich gute Leistung gebracht wird.

Der Effekt des Leica-Apochromaten kann sicher auch mit andern guten Vorsatzobjektiven erreicht werden. Jedenfalls ist die erreichbare optische Leistung auf diese Weise erheblich besser als die, die man mit Zwischenringen erreichen kann. Letztere bewirken, daß eine solche Optik, die im Nahbereich ohnehin oft zunehmend überfordert wird, noch mehr außerhalb des definierten Leistungsbereiches arbeiten muß, weil durch eine Auszugsverlängerung ja nur ein Ausschnitt des im Objektiv erzeugten Bildes auf dem Chip abgebildet wird.

 

5. Test:

Man kann mit dem oben genannten Vorsatz nun auch eine stärkere Vergrößererung einstellen, gut 2,5 x der Maximalvergrößerung ohne Vorsatz. Hier wurde jetzt ab Blende 11 gemessen, der Schärfentiefenbereich ist minimal.

Bestes Ergebnis auch hier eindeutig mit dem Tamron, aber auch die beide anderen zeigen ordenliche Ergebnisse.

Blenden > 16 zeigen starke Einbußen den Bildqualität durch zunehmende Beugungsfehler.

Ein Bild vom Sigma bei 22 ist mir verlorengegangen, daher die weiße Lücke. Hat aber keine weitere Bedeutung.

Mein Fazit: Optisch ist das Tamron SP90 eindeutig das beste Objektiv der 100er Riege. Sein AF trifft absolut präzise, ist aber langsam und ziemlich laut. Das Canon ist optisch im Zentrum nicht viel schlechter, fällt aber bei weit geöffneter Blende am Rand eindeutig ab, wobei ein AF-Problem hier mit zum Tragen kommt. Dieser Fehler im Nahbereich kann durch optisch hochwertige Vorsätze weitgehend egalisiert werden. Ab Blende 8 geben sich alle Objektive nicht viel, Beugungsunschärfe macht Blende 32 ziemlich wertlos.

Den mit weiten Abstand schnellsten AF hat das Canon, wenngleich nicht so sicher einstellend wie das Tamron. Man hat den Eindruck, daß der AF sozusagen in Schritten springt, wobei vielleicht das Tamron einfach feiner abgestufte Schritte bietet als das Canon, dadurch genauer ist. Der AF des Sigmas hinkt hier klar hinterher.

Erwartungsgemäß überragend zeigt sich der Spezialist, das MPE65, optisch wie mechanisch. Optisch fast gleichauf das 50er Sigma, das allerdings mechanisch doch Einiges zu wünschen übrig läßt. Sein AF ist kaum brauchbar in der Praxis.

Bei den 180er ist optisch das Tamron makellos, knapp gefolgt vom Canon, das nur ganz geöffnet schwächelt. Mit doch deutlichem Abstand folgt das Sigma, wobei hier möglicherweise eine AF-Schwäche mitverantwortlich ist. Mechanisch sind alle 180er einwandfrei.

Hingewiesen soll aber nochmals werden auf die Tatsache, daß sich alle Ergebnisse auf einen Bildausschnitt von 24x36 mm beziehen, bei anderer Entfernung mag das Ergebnis durchaus ein Anderes sein.

 Ergänzungen:

Das neue Tokina 2.8/100 Macro

Das neue 2.8/90 DI Tamron

Das 2.8/150 Sigma HSM